The Conduit – Test Deutsche Version Wii
Der Vorzeigekandidat?
Groß waren die Ankündigungen von Publisher Sega und Entwickler High Voltage Software im Vorfeld der Veröffentlichung von The Conduit. Nichts Geringeres als ein Ego-Shooter, der sich nicht vor der Konkurrenz auf Xbox 360 und PS3 verstecken muss, wurde versprochen. Doch ist aus den ambitionierten Vorhaben letztlich auch das versprochene Vorzeigespiel geworden?
Trust them?
Die Story von The Conduit ist an sich schön erdacht. Als Geheimagent des Secret Service übernommt der Spieler die Rolle von Michael Ford. Ford hat dem US-Präsidenten bei einem Attentatsversuch das Leben gerettet und wird deshalb in die „Trust“ eingeweiht – eine Geheimorganisation der USA zur Abwehr extraterrestrischer Bedrohungen. Kein Wunder, denn in Washington D.C. ist bereits die Invasion durch die außerirdischen Drudge in vollem Gange. Das Spiel beginnt damit, dass Ford sein Bewusstsein wieder im Washington Metro-Tunnel zurückerlangt. Bei seinem Weg aus der Station trifft Ford auf massive Widerstände der Drudge im Atrium der Metrostation. Nachdem er diese überwunden hat betritt er eines der Portale der Außerirdischen. Dann gibt es eine Rückblende und man sieht Ford ein paar Tage vor der Invasion. Er erhält vom Leiter der Trust-Organisation, der sich selbst John Adams nennt, den Auftrag den Prototypen des Allsehenden Auges vom Terroristen Prometheus zurückzuholen. Es gelingt Ford unter Einsatz seines Lebens den Prototypen wiederzubeschaffen, doch Adams richtet sich plötzlich gegen ihn und erklärt ihn gegenüber der Öffentlichkeit für tot. Auf sich allein gestellt ist es nun an Ford zwischen den Fronten sich für die richtige Seite zu entscheiden…
Simple Inszenierung
Auch wenn die Story ganz gut klingen mag, so ist sie leider nicht so gut inszeniert. Es gibt kaum Ingame-Zwischensequenzen und meistens wird der erzählerische Strang nur durch simple Missionsbeschreibungen zwischen den Levels vorangetrieben. Man muss schon sehr genau hinhören, will man die Story in all ihren Einzelheiten verstehen, weil The Conduit auch in der Deutschen Version mit englischer Sprachausgabe daherkommt und nur während der Missionsbeschreibungen selbst gibt es Untertitel. Das ist sehr schade, da die Story es durchaus verdient hätte mit aufwändigen Zwischensequenzen in Szene gesetzt zu werden.
Außen hui
Die Präsentation von The Conduit entschädigt für so einiges, was bei der Inszenierung der Story falsch lief. Eigens für das Spiel hat Entwickler High Voltage Software eine eigenständige Grafik-Engine entwickelt, die auf den Namen Quantum 3-Engine hört. Bereits die erste Tech-Demo, welche 2008 erschien zeigte was die Engine so alles drauf hat. Spiegelnde Wasseroberflächen, Vertex und Pixel Shader, Bump Mapping, Dynamisches Umgebungsmapping, Projektionen, Motion Blur, animierte Texturen, feinste Partikel- und Raucheffekte und viele andere technische Spielereien werten den Shooter gehörig auf. Klar, solche Effekte gehören auf anderen Systemen wie der Xbox 360 oder der PS3 bei Shootern längst zum guten Ton, jedoch hat man sie derart geballt auf der Wii noch nie gesehen. Um es kurz zu machen: The Conduit ist einer der bestaussehendsten Titel auf der Wii und weiß optisch sehr zu gefallen, auch deshalb weil die Entwickler es verstehen viel mit Farben und Partikeleffekten zu spielen. Das Spiel läuft nahezu ruckelfrei mit konstanten 30 Bildern pro Sekunde und kommt fast ohne Ladezeiten aus. Trotz der optischen Pracht ist man jedoch nicht restlos überzeugt. Wenn man weiß, was die Tech-Demo aus dem Jahre 2008 alles drauf hatte, dann hat man das Gefühl, dass die Wii hier nicht völlig ausgereizt wurde. Gerade die Wassereffekte wirken im fertigen Spiel nicht derart gut wie in der ursprünglichen Demo. Wer mag kann sich diese zum Vergleich ja mal unter
diesem Link hier anschauen. Auch auffällig sind die grafischen Schwankungen zwischen Innen- und Außenbereichen. „Außen hui, innen pfui“ ist hier wirklich wörtlich zu nehmen. Dennoch ist dies Meckern auf hohem Niveau. The Conduit ist eine optische Perle und für Wii-Verhältnisse sehr ansprechend.
Klingende Controller
Der Sound hinkt der optischen Wucht nicht hinterher. Die (englische!) Synchronisation der Charaktere ist sehr gut. Man merkt, dass hier Profisprecher am Werk waren, die Erfahrung mit Filmen und Fernsehen haben. Die Hintergrundmusik erinnert an die Bondfilme und gibt einen sofort das Gefühl in einem Agententhriller zu sein, ohne jedoch aufgesetzt oder unmodern zu wirken. Was den Soundtrack betrifft könnte man sich noch etwas mehr Abwechslung wünschen, aber alles in allem ist er sehr gelungen. Die Waffeneffekte sind sehr gut umgesetzt und vor allem hört man das Nachladen der einzelnen Waffen auch im Wii Remote Controller, was einfach cool wirkt.
Lebendige Waffen
Die Waffen im Spiel sind nicht nur sehr zahlreich, sondern auch kreativ umgesetzt. Neben den menschlichen Waffen (MGs, Pistolen, Scharfschützengewehr und Sturmgewehr) gibt es auch Alienwaffen und Syndicatswaffen. Gerade die letzteren beiden machen sehr viel Spaß. Während die Alienwaffen sehr stark an Prey erinnern, wirken die Syndikatswaffen von Halo inspiriert. Dennoch, und das muss man High Voltage Software zu Gute halten, war man offensichtlich bemüht den Waffen ein sehr eigenständiges Feeling und Handling zu geben. Die Alienwaffen beispielsweise sind „lebendig“ und bewegen sich und teilweise sieht das Nachladen so aus, als wenn man die Waffen „füttert“. Dazu kommt ein „schmatzendes“ Geräusch aus der Wii Remote, was einfach nur herrlich genial umgesetzt ist. Fast alle Waffen haben einen alternativen Feuermodus. Drückt man nur leicht und schnell hintereinander auf den Abzug gibt man meistens nur viele leichte Schüsse von sich, lässt man jedoch den Abzug für längere Zeit gedrückt, dann laden sich die Waffen auf und entfalten ihr wahres Potential. Beispielsweise kann man so mit dem außerirdischen Sturmgewehr einen konzentrierten Laserstrahl auf die Gegner bündeln und dies wird auch noch spektakulär mit einem wunderschönen Nachglühen präsentiert.
Steuerungstechnisch gibt es nur wenig zu meckern. Während man sich mit dem Nunchuk-Controller im Raum bewegt, zielt man mittels der Wii Remote auf die Gegner. Per B-Taste betätigt man den Abzug, wohingegen man mit der Minus-Taste nachlädt (was zunächst etwas ungewöhnlich ist, nach etwas Eingewöhnung aber gut funktioniert) und mit der Plus-Taste ruft man das Allsehende Auge auf. Ach ja – das Allsehende Auge (kurz ASA) wurde ja bereits in der Einleitung angesprochen. Mit diesem lassen sich allerhand interessante Dinge anstellen. So kann man versteckte Geheimgänge (mit Waffennachschub) offenbaren, Terminals aktivieren bzw. hacken und sogar unsichtbare außerirdische Minen und getarnte Feinde aufspüren. Dieses Feature gibt dem Spiel einen gewissen Adventure-Touch und bringt etwas Abwechslung in die Schießereien. Insgesamt ist die Steuerung von The Conduit überzeugend, auch wenn sie im Detail etwas überfrachtet wirkt. Manchmal „hängt“ auch die Bewegungssicht, etwa dann wenn man sich schnell drehen muss, aber zum Glück bleibt dies eher die Ausnahme. Sehr vorbildlich ist die Unterstützung von Wii Motion Plus, wodurch die Bedienung noch etwas feiner wird.
Mehrspieler ein Hit?
Der Mehrspielermodus von The Conduit ist sicherlich ein echtes Highlight des Games. In bester Golden Eye-Manier kämpft man hier mit bis zu 12 Spielern im Deathmatch oder Team-Deathmach mit- bzw. gegeneinander. Es gibt sogar eine Integration von WiiSpeak für einen gemeinsamen Voice Chat, sofern man dies nutzen möchte. Leider sind die Ladezeiten für die einzelnen Matches, aber insbesondere zum Aufbau der Wii Wifi-Connection extrem lang. Hier tut sich ein krasser Gegensatz zum Einzelspielererlebnis auf. Ist man aber einmal eingewählt, läuft alles (eine entsprechend schnelle Internetverbindung vorausgesetzt) sehr flüssig und nahezu lagfrei. Es gibt ein Rangsystem und Matchmaking mit ebenbürtigen Spielern, allerdings sind die einzelnen Karten nicht direkt frei wählbar, sondern werden über Abstimmung festgelegt. Neben den klassischen Deathmatch-Modi gibt es noch ein ASA-Rugby (man jagt den Spieler, welcher gerade das ASA besitzt), sowie eine Variante von Capture the Flag. Man kann neben weltweiten und regionalen Verbindungen auch noch Freundesmatches austragen, dann benötigt man allerdings wieder die Wii-Codes, wohingegen die „normalen“ Onlinematches auch ohne solche auskommen.
Dieser Beitrag wurde bereits 6 mal editiert, zuletzt von »tarantino696« (2. Januar 2010, 15:02)