Darksiders Review PS3 Deutsche Version
"Und ich sah, dass das Lamm das erste der sieben Siegel auftat, und ich hörte eine der vier Gestalten sagen wie mit einer Donnerstimme:
Komm!
Und es kam heraus ein zweites Pferd, das war feuerrot. Und dem, der darauf saß, wurde Macht gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, dass sie sich untereinander umbrächten, und ihm wurde ein großes Schwert gegeben."
Vier Reiter stehen bereit oder doch nur einer?
Darksiders: Wrath of War (dt. "Zorn des Krieges") versetzt den Spieler in die biblischen Gefilde der Apokalypse. Krieg der zweite Reiter der Apokalypse wurde von den Mächten des Bösen betrogen. Die Apokalypse wurde vorzeitig beschworen, indem jemand oder etwas die 7 Siegel aufgebrochen hat. Doch statt vier Reitern wurde nur einer, nämlich Krieg gerufen. Er habe das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle zerstört und soll bestraft werden. Doch die Hüter über Gut und Böse geben Krieg eine zweite Chance seine Ehre wiederherzustellen und den wahren Schuldigen zu bestrafen. Bewaffnet mit dem Chaosfresser, einem Schwert geladen mit der Energie von Zorn und Gewalt, zieht Krieg in die Schlacht…
God of Warcraft in Schön
Was beim ersten Anspielen von Darksiders sofort positiv auffällt ist die wuchtige Inszenierung von Darksiders. Gleich zu Beginn darf man in einer herrlich düsteren Endzeitstadt alles dem Erdboden gleichmachen und nebenbei erlernt man gleich Kriegs Fähigkeiten und das Kampfsystem. In bester God of War-Manier lässt Krieg sein Schwert unter Engeln und Dämonen gleichermaßen wüten. Krieg der für sich genommen schon ein Hühne von massiver Statur ist, sieht sich einem noch massiverem infernalischen Bestiarium gegenüber während vom Himmel Kometen regnen und die Umgebung in dunkelrote Feuersbrünste getaucht ist. Während Krieg sich durch die Übermacht schnetzelt taucht ein Riese aus Stein auf und legt aufgescheucht alles in Schutt und Asche was sich ihm in den Weg stellt. Häuserfassaden gehen zu Bruch und Autos werden meterweit durch die Luft gewirbelt (was Krieg im Übrigen auch kann). Um es kurz zu machen: Die Apokalypse wurde wohl noch nie schöner in einem Spiel dargestellt als hier. Das fantasievolle Setting ist an Atmosphäre kaum zu überbieten. Von der Optik her lässt sich Darksiders am besten als World of Warcraft in Schön beschreiben. Das Spiel hat eine sehr dezent gehaltene Cartoon-Optik, die aber immer genügend Realismus bewahrt um nicht aufgesetzt zu wirken. Das Art Design der Charaktere und Monster ist traumhaft gut geworden und könnte genauso gut aus einem Herr Der Ringe-Streifen stammen. Der Spielcharakter Krieg in seinem roten Mantel, mit seinen blau leuchtenden Augen, den riesigen gepanzerten Handschuhen, seinem überdimensionierten Schwert und der massiven Statur, die nicht von ungefähr an die Jungs aus Gears of War erinnert, ist wohl die coolste Sau seit Lara Croft aus Tomb Raider. Doch gegen seine Gegner sieht Krieg geradezu winzig aus. Was hier an abgefahrenen Höllenkreaturen und übermächtigen Engeln aufgefahren wird ist fast schon wahnwitzig. Die meisten davon überragen Krieg locker um das Doppelte bis Dreifache seiner Körpergröße, doch das ist gar nichts gegen die gewaltigen Endgegner, gegen die man später sogar zu Pferde in den Krieg ziehen muss. Die Animationen von Freund und Feind sind butterweich und passen sich harmonisch in die Fantasy-Welt ein.
Die weitläufigen, fast schon gigantischen Umgebungen stehen dem in Nichts nach. Die Levelarchitektur wirkt riesig, unverbraucht und man hat eine sehr gute Weitsicht auf die Welt von Darksiders. Die Oberflächentexturen wirken jederzeit knackscharf, auch wenn die Qualität nicht ganz an die Oppulenz eines Uncharted 2 heranreicht. Der Comiclook mag nicht Realismus pur vermitteln, aber wer will das schon in einem Spiel, das einen völlig in einer postapokalyptischen Fantasywelt abtauchen lassen soll. Die Entwickler haben hier ein sehr glückliches Händchen für den richtigen Mix aus guter Optik und eigenständigen Setting bewiesen.
Einmal Feuerross reiten bitte
In den ersten 2 Spielstunden fährt Darksiders ein Hack´n´Slay-Fest der Superlative ab. Genrekenner fühlen sich an die besten Momente eines Ninja Gaiden 2 erinnert, doch danach wechselt Dark Siders die Genregrenzen und wechselt nahtlos in ein Action-Adventure mit Jump´n´Run-Elementen der Marke Tomb Raider bzw. Prince of Persia. Knackige Schalter- und Schlüsselrätsel wollen gelöst und fordernde Sprungpassagen überwunden werden. Auch wenn sich das nach abgedroschenem Gameplay anhören mag, so ist es dies nicht. Die Genremixtur ist so geschickt miteinander verworben, dass die Action nie zu kurz kommt und man eigentlich ständig vor neuen Herausforderungen steht. Dabei sind die einzelnen Elemente derart gekonnt von den Entwicklern umgesetzt und mit neuen Einfällen angereichert, dass man nie das Gefühl hat hier auf verbrauchten Gameplaypfaden zu wandern. In späteren Abschnitten des Spiels muss Krieg sogar durch die Lüfte fliegen, Unterwasserbereiche erkunden, mit dicken Wummen schießen, auf einem Feuerross reiten und vieles mehr. Alle Elemente machen für sich genommen eine Menge Spaß und bereichern den Hack´n´Slay-Kern des Spiels ungemein. Die Spielewelt ist sehr offen gehalten und bietet sehr viele Bereiche die abseits des eigentlichen Weges zum Erkunden einladen. Man kann sehr viele versteckte Bereiche entdecken, von denen viele erst im späteren Verlauf des Spiels durch neue Fähigkeiten zugänglich werden.
Waffe für Seele zu verkaufen
Das Kampfsystem von Darksiders ist sehr variabel ausgelegt. Krieg stehen eine Vielzahl von Waffengattungen zur Verfügung mit denen er seinen Gegner das Fürchten lehrt. Anfangs hat man nur das Schwert „Chaosfresser“ zur Verfügung, aber später kommen noch eine Sense zum Angriff vieler Gegner gleichzeitig, eine Wurfklinge und einiges mehr hinzu, das aber aus Gründen der Spoilergefahr nicht weiter erwähnt werden soll. Gegen Seelen die man für erledigte Gegner erhält lassen sich bei Dämonenhändler Vulgrim (welchen Krieg im Verlauf des Spiel mehrfach begegnet) die Waffen aufrüsten und neue Kampffähigkeiten freischalten. Hier kann man vorrangig Schaden und Reichweite der Waffen verbessern, aber auch völlig neue Angriffe lernen. Für versteckte Artefakte die man im Spiel finden kann, legt Vulgrim sogar ein paar kostenlose Bonusseelen obendrauf. Wer in der riesigen Welt von Darksiders schnell voran kommen möchte kann zudem sogenannte Schlangenportale nutzen mit denen man schneller als zu Fuß von A nach B kommt. Alle Waffen im Spiel lassen sich kombinieren. Beispielsweise kann man ein Klingengeschoss auf den Gegner werfen um diesen zu „stunnen“ um ihn anschließend mit den Schwert in die Luft zu schlagen und ihn dort weiter mit der Todessense zu bearbeiten. Hat man einen Gegner stark genug beschädigt, dann kann man durch Drücken der Kreistaste einen Finisher ansetzten. Diese Attacken töten die Gegner augenblicklich und machen Krieg für die Dauer des Angriffs immun gegen sämtliche anderen Angriffe aus der Umgebung. Je nach Gegnertyp sehen die Finishing-Moves unterschiedlich aus. Besonders spektakulär sind diese natürlich bei den zahlreichen Endgegnern in Szene gesetzt. Hier haut Krieg mitunter schon einmal einem Gegner die Beine ab, um ihm anschließend den Kopf abreißen zu können. Auch wenn Darksiders mit Sicherheit nichts für Zartbesaitete ist, so ist die Gewalt doch jederzeit derart Over the Top, das man sie einfach nicht ernst nehmen darf. Alles wird mit einem Augenzwinkern präsentiert und der derbe Humor des Spiels unterstreicht dies noch.
Raue Stimmen
Entgegen vieler anderer Spiele braucht bei Darksiders niemand Angst vor einer schlechten Synchronisation haben. Die Deutsche Sprachausgabe braucht sich nicht hinter dem englischen Original zu verstecken, ja teilweise übertrifft sie diese noch, ganz einfach weil die vorwiegend tiefen Stimmen der Sprecher im Deutschen noch härter und rauher klingen. Man merkt einfach das hier Profisprecher am Werk waren und keine Laien die keinen Bock auf die Vertonung hatten. Die Musik von Darksiders passt perfekt in das Endzeit-Fantasy-Setting und trägt gut zur heroisch aufgeladenen Atmosphäre des Titels bei. Die druckvollen Kampfgeräusche und auch die fantasievollen Ambientesounds der Umgebungen passen sich perfekt in das runde Gesamtbild.
Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von »tarantino696« (12. Januar 2010, 11:10)